In meinem letzten Beitrag ging es um Tracktion T6. Eine DAW, die nichts kostet und trotzdem alle Features der „großen DAWs“ bietet. Wer einen Mac sein Eigen nennt, hat die Möglichkeit eine andere sehr bekannte Musiksoftware kostenlos zu installieren: GarageBand.

GB ist ebenfalls eine komplette DAW, die allerdings etwas weniger Möglichkeiten in der Bearbeitung von Audio- und Midimaterial bereitstellt. Dafür bekommt man eine beachtliche Sammlung (10GB) an Instrumenten / Presets & Loops und eine gut sortierte Effektsammlung. Der „Drummer“ – ein Tool zum Erstellen von Beats – kann sich echt sehen lassen und es gibt sogar einige Gitarren-Amps und Effekte.

GarageBand in der Version 10.2. Neuer „flat“ Look und noch mehr virtuelle Drummer.

Aber reicht das, um beispielsweise ein komplettes Album zu produzieren? Theoretisch reichen diese Tools ganz sicher, aber man ist ja verwöhnt und kann ich mich motivieren mit diesen eingeschränkten Mitteln einen ganzen Longplayer fertig zu stellen? Oder hilft mir diese Einschränkung sogar?

Während GarageBand für viele Musiker ein Einstieg in die Welt des digitalen Recordings ist, war meine erste DAW (Reaper) schon etwas mächtiger. Ich habe zwar vor ca. 8 Jahren schonmal auf meinem damaligen MacBook GB kurz getestet, aber nie ernst genommen. Seit einigen Monaten bin ich vom PC wieder zum Mac zurückgekehrt und habe aus Neugierde nochmal die freie DAW installiert.

Normalerweise arbeite ich mit Bitwig Studio und vom Feature-Umfang her ist GB ein paar Schritte zurück. Da ich in den letzten Wochen sowieso etwas uninspiriert bin, und seit meinem letzten Beitrag ein bisschen fasziniert von den Möglichkeiten freier Software, hätte ich schon Lust auf ein kleines Experiment. Ich möchte in den nächsten Wochen ein Album oder eine EP für Tropone mit GarageBand aufnehmen. GB hat einige Instrumente dabei, die mithilfe eines Sample-Players abgespielt werden können, aber es gibt keinen Synthesizer. Da GB aber die Möglichkeit hat AU-Plugins einzubinden, will ich diese Möglichkeit auch nutzen und meinen Lieblingssampler – Renoise Redux – benutzen dürfen. Ansonsten verwende ich nur GB-Mittel.

Ganz kurz zu GarageBand

Etwa im Jahre 2002 hat Apple beschlossen etwas Energie in Musiksoftware zu stecken und kurzerhand Emagic gekauft. Die hatten seit 1992 Musiksoftware für Atari ST, Apple und Microsoft Systeme programmiert und vertrieben. 1993 brachten sie die Software Logic für diese Systeme heraus.

2002 hat Apple dann Emagic übernommen, der Atari ST war eh schon Geschichte und die Microsoft Version von Logic wurde auch eingestampft. Von da an war Logic nur noch für den Mac verfügbar. Es gab jetzt zwei Versionen, Logic Pro für den professionellen Anwender und Logic Express für Einsteiger.

Logic Express in einer frühen Version (2005) (Quelle: soundonsound.com)

Die erste Version von GarageBand wurde bereits 2004 vorgestellt. Sie war und ist als Einstiegssoftware für Neulinge gedacht und macht es dem Anfänger so einfach wie möglich. Aus diesem Grund und weil GB keinen Cent extra kostet, ist der Funktionsumfang gegenüber Logic Express und insbesondere Logic Pro natürlich eingeschränkt. Die Entwicklung von Logic Express wurde dann 2011 wieder eingestellt und der Preis von Logic Pro drastisch reduziert. Seitdem gehört Logic Pro wohl mit zu den erfolgreichsten DAWs und GB ist das beliebteste Sprungbrett für Neulinge.

Wenn man sich in einer netten Runde mit Leuten unterhält, die entweder professionell oder auch nur hobbymässig mit digitalen Audio Workstations arbeiten und dabei erwähnt, dass man GarageBand benutzt, wird man meistens eher belächelt und nicht ernst genommen. Als Profi benutzt man nunmal nicht GarageBand … basta.

Der Amp Designer in GB bietet haufenweise Amp / Cabinet Kombinationen, Mikrofonauswahl und -platzierung!

Wenn man es genau nimmt, hat GB aber alles, was man benötigt. Audio- und Midi-Recording, grundlegende Audiobearbeitung, Automation, Effekte, falls man nicht die Möglichkeit hat echte Instrumente aufzunehmen, gibt es eine nette Auswahl von virtuellen Instrumenten, die nicht sooo schlecht ist, es gibt einen virtuellen Drummer, der mir auf den ersten Blick richtig gut gefällt und man kann sogar Audio Unit (AU) Plugins einbinden. So what?!

Ich persönlich halte ja ganz viel von der Prämisse, dass Einschränkungen und Grenzen die Kreativität beflügeln. Warum dann nicht einmal einen Gang zurückschrauben, sich auf das Wichtigste konzentrieren und schauen wie weit man damit kommt? Ich freue mich auf die nächsten Wochen mit GarageBand. 🙂

Selbst schonmal intensiver mit GarageBand gearbeitet? Welcher Erfahrungen hast Du damit gemacht? Schreib’s in die Kommentare oder schreib‘ mir per Twitter.