In unregelmäßigen Abständen gibt es eine kleine Homage an einen Musiker aus der Vergangenheit, der viele folgende Generationen beeinflusst und inspiriert hat. Künstler, die in ihrem Genre revolutionär und innovativ waren, wenn sie sich denn überhaupt an ein Genre geklammert haben. 

John Cage am Klavier (Quelle: departures.com)

Der experimentelle Ansatz in seinen Kompositionen hatte einen bleibenden und wichtigen Effekt für spätere Generationen von Musikern. John Cage schwamm immer gegen den Strom und ignorierte gegenwärtige Normen im Bereich Instrumentierung, Komposition oder musikalischer Struktur. In seinen kontroversen Kompositionen benutzte Cage auch schonmal Haushaltsgegenstände, der er dann in Percussion-Instrumente verwandelte und er liebte es minimalistisch und zufällig. Später nutzte er des öfteren das chinesische I Ging, um Zufall in seine Kompositionen einfließen zu lassen.

Der expressionistische Komponist Arnold Schönberg sagte über seinen Schüler Cage: „Er ist kein Komponist, aber ein Erfinder – der Genialität„. Diese Aussage unterstreicht seine Ideen und seine Interpretationen von Klang.

Ab 1940 fing Cage an Stücke für sein sogenanntes Prepared Piano zu schreiben. Das erste Stück für dieses Piano war Bacchanale, welches er für eine Tanzaufführung von Sylvilla Fort schrieb. So wie viele großartige Ideen, entstand auch diese aus der Notwendigkeit heraus. Der Raum, in dem die Aufführung stattfand barg nicht genügend Platz für ein Percussion Ensemble, aber es gab ein Piano. Der Sound des Pianos wurde verändert, indem zwischen einzelnen Saiten verschiedene Gegenstände geklemmt wurden (meistens Schrauben, da diese am besten hielten) und man damit nun perkussive Klänge erzeugen konnte.

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Das wahrscheinlich erste Konzert für elektronische Instrumente (in diesem Fall Radios) ging 1951 auf die Bühne. Cage stellte 24 Performer auf die Bühne und 12 Radios. Jeweils zwei Akteure bedienten ein Radio, einer für die Lautstärke und der andere änderte ständig die Frequenz. Dies war ein großartiges Beispiel für Zufall in seinen Kompositionen. Imagine Landscape No.4 lebte von der Zufälligkeit der gewählten Radiosender und konnte in der Form nie wieder genauso klingen. Cage entfernte somit seinen Einfluß komplett aus der Komposition, seine persönlicher Geschmack und seine Vorlieben wurde somit komplett aus dem Endprodukt gestrichen.

Die wohl am bekanntesten und am meisten diskutierte Kreation aus der Feder von John Cage ist wohl 4’33“. Das Notenblatt gibt dem Spieler vor, das Instrument während der gesamten Zeit nicht zu spielen, vier Minuten und 33 Sekunden. Viele hielten diese Komposition für einen Witz und glaubten Cage wolle das Publikum zum Narren halten. Aber für John Cage waren Alltagsgeräusche ebenfalls Musik und Rhythmus und 4’33“ sollte dem Zuhörer klar machen, dass das, was sie als Stille interpretieren, alles andere als „Stille“ ist.

Als der unangefochtene Vater der amerikanischen experimentellen Musik hat John Cage viele Musiker der populären Musik beeinflusst, darunter Größen wie Frank Zappa, Sonic Youth oder auch Elektroniktüftler wie Aphex Twin, der seinerseits die „Prepared Piano“ Technik auf seinem 2001er Album Drukqs einsetzte.

Neben seiner Tätigkeit als Komponist hatte Cage immer wieder Lehraufträge an verschiedenen Colleges und veröffentlichte diverse Lectures. Seine Freundschaft zu dem abstrakten Expressionisten Robert Rauschenberg half seine Ideen in die visuelle Kunst zu übertragen. John Cage schaute immer nach vorne und war immer auf der Suche nach neuen Ideen. Er verabscheute es sich zu wiederholen. 1992 – kurz vor seinem 80. Geburtstag – starb John Cage an einem Schlaganfall.