Don’t forget to TURN ON THE SYNTHESIZER. Often this is the reason why you get no sound out of it.

Wenn man mir vor 20 Jahren gesagt hätte, dass ich einmal Musik mit Synthesizern machen würde, hätte ich wahrscheinlich nur laut gelacht. Aber richtig laut. Ich mochte Synthesizer nicht. Sie waren mir suspekt. Ich mochte ihren Sound in Shine On You Crazy Diamond nicht und ich mochte ihren Sound erst recht nicht in sowas hier. Ich mein’ … Synthesizer, kann doch jeder spielen. Da muss man ja nix spielen können. Da geht doch alles von selber…

Ein paar Jahre später kamen Radiohead mir dem Album Kid A daher, Notwist mit mit Neon Golden und Postal Service mit Give Up. Was sind das für seltsame Geräusche und welcher Computer spielt da denn Schlagzeug? Ich mochte die Idee Indie Rock mit elektronischen Elementen zu kombinieren. Selbst die Flaming Lips benutzten immer mehr die synthetischen Spielzeuge, die im Studio so rumstanden. So langsam legte sich meine Angst vor Synthesizern und ich selbst probierte immer mehr elektronische Instrumente in Softwareform aus.

Die 3 Oszillatoren des Arp 2600

Ich merkte, dass es doch nicht so einfach war einen Synthesizer zu bedienen. Ich meine richtig zu bedienen. Mein Casio V-Tone ist im Grunde ja auch ein Synthesizer und diesen zu bedienen ist nicht sonderlich schwer. Allerdings ist das gute Stück auch nicht wirklich vielseitig. Ich habe dann einige Synth-Plugins ausprobiert, konnte mich aber nie entscheiden, bei welchem es sich lohnt ihn zu “erlernen”.

Vor einigen Monaten bin ich dann auf die V-Collection von Arturia gestoßen. Ich habe damals in einem anderen Blog einen ausführlichen Beitrag über diese Synthklassiker Sammlung geschrieben. Diese Collection ist das Schlaraffenland für Synthesizer Fans. Alle Klassiker sind hier mit einem eigenen VST Plugin vertreten. Ob diese Emulationen nun genauso klingen wie die Originale, wage ich etwas zu bezweifeln, ich kann es aber auch gar nicht beurteilen. Ein Instrument hat es mir auf jeden Fall besonders angetan. Das war der Arp 2600. Hey! Die haben mit dem Ding die Stimme von R2D2 gemacht!

Der Sequenzer und das Keyboard des Arp 2600

Der Arp 2600 wurde gegen Ende der 60er Jahre entwickelt. Zu dieser Zeit war der Einsatz elektronischer Instrumente immer noch relativ neu. Die Beatles hatten 1967 erstmals ein Mellotron (was aber eigentlich ja kein Synthesizer ist) eingesetzt und 1969 bei den Aufnahmen zum Abbey Road Album einen Moog. Auch The Doors setzen einen Moog erstmals Ende der 60er ein. Im Grunde hatten die meisten Leute aber keinen Plan, wie man solch ein Instrument benutzt oder programmiert. Aus diesem Grund hat Arp dann den 2600 entworfen. Eigentlich war dies nämlich ein “Schulsynthesizer”

Der 2600 ist ein semi-modulares System mit einer fest vorgegebenen Anzahl an Modulen, die auch intern schon fest verdrahtet wurden, sodass man das Teil einschalten kann und sofort loslegen, wenn man will. Während komplett modulare Systeme, wie beispielsweise der Moog Modular logischerweise mehr Freiheiten bei der Schaltung der Komponenten einräumten, war der Arp definitiv nutzerfreundlicher.

Schon imposant die Oberfläche des Moog Modular (Quelle: arturia.com)

In der Zeit von 1970 bis 1981 wurden insgesamt 4 verschiedene Versionen des 2600 hergestellt. Die Software Version von Arturia ist dem letzen Modell, das eigentlich Arp 2601 heißt, nachempfunden. Denn erst in dieser Version ab 1977 wurde die Schrift größtenteils von weiß auf orange geändert. Außerdem sollen einige Bauteile, wie z.B. der Filter verändert worden sein, was dem Sound weniger gut tat. Aber wer keinen Vergleich hat, kann sich auch kein Urteil bilden.

Auch wenn in den gesamten elf Jahren der Produktionszeit gerade mal 3.000 Stück verkauft wurden, zählt der Arp 2600 sicherlich zu den großen seiner Gattung. Namhafte Künstler, wie Stevie Wonder, Jean Micheal Jarre, Depeche Mode oder auch The Who und Deep Purple verewigten seinen Sound auf ihren Platten.

Wenn nur so wenige Modelle produziert und verkauft wurden, kann man sich sicherlich vorstellen, was der Arp 2600 heute kostet. Ich habe mal kurz auf ebay.com geschaut, was es so für Angebote gibt. Für einen 2600er im guten Zustand ohne Keyboard muss man schon 8.000 Dollar ausgeben. Auch wenn ich mir diesen Synthesizer so hier ins Zimmer stellen würde, könnte ich ihn mir gar nicht leisten. Daher bin ich froh, dass es gute Emulationen in Softwareform gibt. Für die Version von Arturia habe ich gerade 149 Euro bezahlt (Btw: Vor kurzen (Juni 2017) hatte Arturia ein Angebot für die gesamte V Collection. Anstatt 499 Euro ging das Paket für nur 249 Euro über den Ladentisch. Hätte ich das gewusst…), das klingt schon besser.

Außerdem gibt es noch eine Version von Way Out Ware, den Timewarp, den man für knappe 100 Euro bekommt und der soundmäßig ebenfalls sehr gut sein soll. Und es gibt es auch noch eine Freeware Version, den Arppe2600va.

Der Timewarp 2600 emuliert ebenfalls den Arp 2600 (Quelle: soundonsound.com)

Und wieso habe ich mich jetzt ausgerechnet für den Arp 2600 von Arturia entschieden?

Ich mag den Aufbau des Arp. Alles fließt von links nach rechts. Pre-Amp -> VCOs -> Filter -> ADSR / AR -> Amp -> Mixer. Darunter sind dann die ganzen Modulatoren, der Voltage Prozessor und der Sequenzer. Es ist alles relativ logisch aufgebaut. Wenn man sich noch nie vorher mit einem Synth beschäftigt hat, wird man auch hier überfordert sein, aber aufgrund der werksseitigen festen “Default-Verdrahtung” kriegt man trotzdem sofort etwas zu hören.

Ich bin totaler Fan der GUI. Arturia hat den Arp 100%ig nachgebildet. Und ja, schön designete VST Instrumente klingen nunmal besser. Da muß man sich nichts vormachen. Auch wenn viele mit realistisch nachgebildeten Instrumenten nichts anfangen können, weil man sie mit der Maus nicht so bedienen kann, als wenn man mit der Hand einen Dreh- oder Schieberegler dreht / schiebt. Aber ich bin totaler Fan von realistisch anmutenden GUIs.

Außerdem hat Arturia dem ursprünglichen 2600 noch ein paar Extras verpasst. Es gibt zwei zusätzliche Effekte. Neben dem Original-Reverb haben die Entwickler noch einen Chorus und ein Delay hinter den Abdeckungen für die eingebauten Lautsprecher gesetzt. Und auf der anderen Seite (hinter der Abdeckung vom rechten Speaker) gibt es noch 4 weitere Modulatoren. Dort ist ein Editor versteckt, mit dem man bis zu vier weitere Kurven frei einzeichnen kann, die entweder als Envelope oder LFO dienen.

Die Arturia Version des Arp 2600 bekommt noch ein paar Extras spendiert.

Und den Sequenzer, den man damals zusätzlich dazu kaufen musste gibt es natürlich auch noch. Software macht es möglich! Außerdem kann der Arturia 2600er natürlich auch polyphon betrieben werden. Und als ich das erst mal mit der Demo gespielt habe, haben mich ohne Frage die Presets überzeugt. Sie zeigen sehr schön, zu was der Arp so alles fähig ist.

Ich habe längst noch nicht alle Möglichkeiten des Arp 2600 erkundet und freue mich schon auf die folgenden Sound-Design Sessions. Neben dem Arp habe ich vor kurzem auch die Farfisa und das Synclavier von Arturia gekauft. Zwei weitere Klassiker, die man heute niemals mehr in echt bezahlen könnte. Naja, die Farfisa vielleicht, aber das Synclavier war zu seiner Blütezeit schon unbezahlbar. Ich war damals echt am Überlegen die komplette Collection zu erwerben, aber die restlichen Synths würden hier nur auf der Festplatte einstauben. Allerdings ärgere ich mich jetzt trotzdem, weil der Preis vor kurzem halbiert wurde 🙁

Falls sonst noch jemand Spaß am Arp hat, oder mir sagen will wie doof das Plugin ist, dann schreibt mir.