Schon im September 2021 veröffentlichen die relativ neuen DSP-Entwickler aus Großbritanien Excite Audio den Multieffekt Lifeline Expanse und jetzt schieben sie wieder einen Multieffekt hinterher: Lifeline Console.

Lifeline Console…

Der Effekt-Plugin Markt ist ziemlich übersättigt. Es kommt selten etwas wirklich Neues. Viele Plugins unterscheiden sich kaum voneinander. Oftmals macht nur das User Interface den Unterschied…

Excite Audio erfindet das Rad auch nicht wirklich neu, aber die Lifeline Serie macht Vieles etwas besser als die Konkurrenz. Hierbei handelt es sich um Multieffekte, die man am besten in verschiedene Busses oder dem Master-Kanal einsetzt. Allerdings profitieren auch einzelne Tracks von den Möglichkeiten der Plugins.

Lifeline Expanse

Dieses Plugin ist schon etwas älter (09/2021), aber ich wurde erst auf diesen Effekt aufmerksam, als das neue Tool Lifeline Console angekündigt wurde. Das Plugin enthält insgesamt 5 einzelne Module, die dem Track oder Bus mehr Charakter, Weite oder mehr Bewegung verleihen können. Mir kam da zum Vergleich als erstes das Kultplugin Retro-Color von XLN Audio in den Sinn.

Lifeline Expanse…

Das User Interface ist schlicht, aber gleichzeitig elegant und voller kleiner Details … einfach schön anzusehen. Folgende Module sind enthalten: Format (eine Art Bitcrusher), Dirt (Saturation), Re-Amp (Convolution Effekt mit verschiedenen IRs von unterschiedlichen Geräten), Width (Stereo-Effekt) und Space (Reverb). Achja, man kann die Reihenfolge der Module auch per Drag’n’Drop ändern…

Jedes Modul verfügt über eine Main-Oberfläche und man kann mit dem Umschalter unten in den Advanced-Modus umschalten. Hier hat man immer die Möglichkeiten den Effekt für verschiedene Frequenzen zu verstärken oder verringern (Multiband) und weitere Einstellungen für den jeweiligen Effekt.

Ganz rechts befindet sich der Main-Mixer, wo man den Input- und Output-Gain einstellen kann (und diese auch verketten kann). Natürlich gibt es hier den obligatorischen Mix-Regler und einen Limiter, sowie einen Smooth-Schalter, der automatisch harsche Frequenzen ausblendet.

Das Plugin verfügt über recht viele verschiedene Presets, die quasi jegliche Einsatzsituation abdecken. Natürlich kann man eigene Presets abspeichern und sich seine Favoriten markieren.

Format

Main-Ansicht
Advanced-Ansicht

Es gibt vier Modi für dieses Modul: Degrade, Resample, Flatten und Washed. Alle diese Modi unterscheiden sich etwas in ihrem Timbre, aber alle zerstören das Originalsignal in einem gewissen Maße … ähnlich, wie es ein Bitcrusher tut.

Der Crush-Regler stellt den Grad der Zerstörung ein und mit dem Tone-Regler kann man die Frequenz noch etwas abändern. In der Advanced-Ansicht gibt es zusätzlich noch den Noise-Regler, der alles noch krachiger macht und einen Smooth-Regler, der die Zerstörung wieder etwas überschminkt.

Insgesamt gefällt mir der Effekt wirklich gut. Von ganz subtilem Crushing, bis hin zum kompletten Krach kann man alles einstellen. Hilfreich ist hier auf jeden Fall die Möglichkeit die Intensität des Effekts bei verschiedenen Frequenzen unterschiedlich intensiv zu regeln. wie gesagt, bieten alle Module diese Möglichkeit des Multiband-Tunings.

Soundbeispiele spare ich mir an dieser Stelle mal. Am Ende dieses Artikel poste ich noch ein Video mit aussagekräftigen Beispielen.

Dirt

Main-Ansicht
Advanced-Ansicht

Dirt ist ohne Frage mein Lieblingsmodul von Lifeline Expanse. Auch hier gibt es wieder vier verschiedene Saturation-Modi: Tube, Tape, Rectify und Fuzz.

Im Grunde findet man hier die gleichen Einstellmöglichkeiten wie beim Format Modul, nur dass die Modi hier natürlich analog und nicht digital klingen. Und sie klingen wirklich gut. Dirt ist schon jetzt mein Lieblings-Saturation-Effekt, besonders Tape hat es mir angetan.

Re-Amp

Main-Ansicht
Advanced-Ansicht 1
Advanced-Ansicht 2

Mit dem Re-Amp Modul kann man das Signal so klingen lassen, als würde es in einem Raum aus irgendwelchen Lautsprechern kommen. Convolution ist hier das Zauberwort … ist ja im Moment gerade irgendwie ein Lieblingsthema von mir. Hierzu gibt es vier Szenarien: Monitors, Vintage, Device und Cabinet.

Glücklicherweise hat das Modul wirklich viele Möglichkeiten diese Szenarien irgendwie einzustellen, dass man verdammt viele Optionen hat den Sound so anzupassen, wie man ihn haben möchte. Aus diesem Grund gibt es in der Advanced-Ansicht auch zwei Tabs. Bei einem kann man die Lautsprecherposition verändern. Entweder steht ein Mikrofon ganz nah oder etwas weiter weg vom ausgewählten Lautsprecher. Zusätzlich kann man noch ein simuliertes Raum-Mikrofon hinzu mixen. Das klingt schon alles sehr realistisch in meinen Ohren.

Im zweiten Tab gibt es dann noch einen Drive-Regler und die Möglichkeit den Bass trotz eingestellter Verzerrung gut durchklingen zu lassen. In der Main-Ansicht gibt es die Möglichkeit das Alter des Lautsprechers einzustellen und wie gehabt, kann man auch hier etwas die Frequenzen filtern.

Width

Main-Ansicht
Advanced-Ansicht

Width ist ein typischer Stereo-Effekt, der – wie sollte es anders sein – ebenfalls mit vier verschiedenen Modi daher kommt: Haas, Mid/Side, Detune und Mono.

Space

Main-Ansicht
Advanced Ansicht

Hierbei handelt es sich logischerweise um ein Reverb Modul. Ich mag es gar nicht aussprechen, aber auch Space verfügt über vier verschiedene Modi: Hall, Plate, Spring und Slap.

Damit hätte man dann alle möglichen Reverbtypen und Szenarien abgedeckt. Die Raumklänge des Hall-Modi klingen ganz ok, ich ziehe dann aber doch eher einen Convolution Reverb vor. Aber, um einem Track oder einem Bus noch etwas mehr Tiefe oder „Space“ zu geben, würde ich das Modul definitiv einsetzen.

Fazit

Wie bereits in der Überschrift des Artikels angedeutet, haben es mir beide Multi-Effekte dieser Lifeline Serie angetan. Expanse vereint alle nötigen Module um einem Track mehr Charakter zu verleihen. Ich nutze hierzu meistens Saturation, Distortion, Convolution und Reverb. Alle diese Module habe ich hier in einem Plugin vereint.

Es gibt wirklich viele Möglichkeiten den Sound zu verbiegen – entweder ganz drastisch oder ganz subtil. Die Benutzeroberfläche ist gut durchdacht und schön anzusehen, man kommt wirklich schnell zum Ziel. Expanse ist ziemlich schnell in meinen Favoriten-Ordner gelandet!

Das Plugin kostet derzeit knapp 69,- € und ich finde der Preis ist angemessen. wie versprochen hier noch ein Video zum dem Effekt:

Lifeline Console

Das neue Multi-Effekt Plugin von Excite Audio Lifeline Console könnte sich zu meinem Lieblings-Plugin mausern. Es ist ein klassischer Channel Strip, allerdings läßt er viel mehr kreativen Spielraum als andere Kollegen dieses Genres.

Das User-Interface ist quasi identisch zu Expanse und wir haben auch hier 5 Module, die sich in ihrer Anordnung ebenfalls nach Belieben verändern lassen. Es gibt die klassischen Module eines Channel-Strips: Pre (Pre-Amp), EQ und Comp.

Zusätzlich hat man dann noch ein Modulations-Modul mit den typischen Pitch-Variationen, die man mit Tape, Vinyl und Cassette hat. Und Wear, das Noise und Artefakte von eben diesen Medien dazu mischt, um dem Mix etwas mehr analoge Textur zu verleihen.

Jetzt kann man jedes Modul auch umschalten von L/R Bearbeitung auf M/S. Wenn man die Verkettung dazu löst, kann man somit auch jeden einzelnen Kanal individuell einstellen… Daumen hoch.

Der Main-Mix ganz rechts bietet zusätzlich global noch einen X/Y/Z Triangle um den Charakter (Dry, Clean oder Vintage) einzustellen. Ganz unten hat man dann noch zwei Regler für mehr Wärme und mehr Shine (Brightness).

Pre

Main Ansicht
Advanced Ansicht

Anders als bei Expanse wurde bei Console der Advanced Mode etwas erweitert. Der PreAmp bietet die Einstellungen Bright, Warm und Dark. Der Name verrät, welche Frequenzen für den jeweiligen Pre-Amp hervorgehoben werden. Mit Push und Pull kann man dann die Saturation anpassen. Des Weiteren gibt es Einstellungen für Bias, Q und Shape. Das Modul kann dem Track somit viele unterschiedliche Charaktere verleihen.

EQ

Main Ansicht
Advanced Ansicht

Der Equalizer bietet 4 Bänder und bringt die typischen Einstellungen. Es werden keine bestimmten Hardware EQs simuliert, aber mit den Voreinstellungen Gain, Vintage und Dirty wird dem Mix wieder ein schöner analoger Charakter verliehen, der von subtil bis harmonisch sehr reich geht. Ein sehr nützlicher EQ!

Comp

Main Ansicht
Advanced Ansicht

Der Compressor bietet ebenfalls alles, was man sich nur wünschen kann. Mithilfe der grafischen Darstellung kann man sehr schön sehen, was mit dem Signal passiert. Auch hier bleibt es nicht einfach bei einem digitalen Effekt, sondern mit den Voreinstellungen Analogue, Transparent und Variable hat man verschiedene Charaktere für unterschiedliche Einsatzzwecke.

Sehr schön ist auch die Möglichkeit einen Auto-Makup Modus einzuschalten, der beim Einstellen des Make-Up behilflich ist. Und es gibt einen Bandpass-Filter, der die Kompression auf einen bestimmten Frequenzbereich konzentriert.

Mod

Main-Ansicht
Advanced-Ansicht

Das Modulations-Modul verleiht dem Mix die typischen Pitch-Veränderungen von Tape, Vinyl und Cassette. Es gibt verschiedene Wellenformen für das Wow und Flutter, sowie die typischen Depth– und Speed-Kontrollen. Als besonderes Schmankerl kann dieser Effekt sogar mit dem Tempo der DAW synchronisiert werden. Diese Möglichkeit habe ich noch bei keinem anderen Effekt dieser Art gesehen. 👍🏻

Wear

Main-Ansicht
Advanced Ansicht

Zu guter Letzt haben wir noch das Wear Modul, mit dem man dem Mix noch den letzten analogen Kick verpassen kann. Zunächst einmal gibt es typische Noise-Texturen vom Amp, Hum (Brummen), Mech (mechanischen Geräuschen) und Dust … alles Geräusche, die man von analogen Geräten wie alte Verstärker, Plattenspieler oder Tape-Decks kennt.

Auch hier gibt es wieder die 3 verschiedenen Voreinstellungen: Tape, Vinyl und Cassette. Im Tab Age der Advanced-Ansicht kann man die Intensität der für die jeweilige Voreinstellung bekannten Artefakte und Tonaussetzer einstellen. Des Weiteren gibt es auch hier die Möglichkeit diese Effekte mit der DAW zu synchronisieren. Somit kann man mit diesen Artefakten eine Art zusätzlichen Rhythmus in die eigene Musik bringen.

Ich liebe diese kreative Möglichkeiten, die sich mit dieser Tiefe an Einstellungen ergeben! Alles untergebracht in diesem vorbildlichen GUI!

Fazit

Was soll ich sagen? Solch einen Channel Strip habe ich mir immer gewünscht. Neben den Standardmodulen (Pre, EQ und Comp) gibt es zusätzlich Mod und Wear, die jedem sterilen Track soviel analogen Charakter verleihen können…

Im Moment kann man diese eierlegende Wollmilchsau noch für schlappe 29,- € kaufen. Dieser Einführungspreis gilt bis Ende Juni, wenn ich mich nicht irre. Danach wird der Preis wohl ebenfalls bei ca. 70,- € liegen. Wenn man mich fragt: Absolute Kaufempfehlung!