Kategorie: Equipment Seite 1 von 2

Was ich in den letzten 5 Jahren über die Musikproduktion am Rechner gelernt habe…

So richtig intensiv beschäftige ich mich seit ca. 5 Jahren mit der digitalen Produktion von Musik. Es geht hier nicht einzig allein um elektronische Musik, sondern ganz allgemein mit der Produktion von Musik mithilfe von Software. Ich selber spiele in diverse Gitarrenbands, wo wir hauptsächlich digitale Drum-Plugins oder Amp-Emulationen nutzen.

Ich habe auch viele Jahre davor schon Musik gemacht, aber erst in den letzten Jahren habe ich mich ernsthaft mit verschiedenster Software und deren Möglichkeiten auseinander gesetzt.

Ich habe in dieser Zeit haufenweise Software angetestet, geliebt, gehasst, verteufelt, vergöttert und erlernt. Ich habe nahezu alle auf dem Markt erhältlichen DAWs ausprobiert, unendlich viele virtuelle Instrumente angespielt und eine endlose Zahl Effektplugins installiert und auch wieder deinstalliert.

Frühjahrsputz: Hier wird erstmal kräftig durchgefegt…

Also, hier auf der Festplatte … nicht im Blog. Diese wird nämlich langsam voll. Ich habe eindeutig zu viel Audiosoftware (DAWs, Plugins und Samples) installiert. In den letzten Monaten hat sich herauskristallisiert, welche Tools ich am meisten und am liebsten benutze und welche Programme hier eher wenig genutzt werden … auch wenn es vielleicht ganz wunderbare Werkzeuge sind.

Als ich Anfang des Jahres Reason 11 getestet habe und dann auch ziemlich schnell auf den Reason+ Subscription-Zug aufgesprungen bin, war ich total begeistert von der Software – weniger von der DAW, aber umso mehr von den Instrumenten. Allerdings habe ich seitdem immer nur mal wieder mit dem Rack herumgespielt und wirklich ganz selten mal etwas davon in eigenen Produktionen eingesetzt. Die Software ist wirklich spitze, aber ich habe mich vielleicht schon zu sehr an andere Instrumente gewöhnt. Außerdem erschlägt mich die große Auswahl in Reason. Daher habe ich diese Woche mein Abonnement gekündigt. Zwanzig Euro im Monat, für ein selten genutztes Spielzeug, müssen nicht sein.

Weniger ist mehr und es muss nicht immer das neueste, glänzende Plugin oder die umfangreichste DAW sein…

Es mag vielleicht etwas seltsam anmuten, dass ein Blog, der relativ oft neue Tools aus dem Bereich der Musikproduktion vorstellt, etwas über Einschränkungen schreibt. Aber ich habe hier schon öfters erwähnt, dass es im Grunde besser ist, seine Werkzeugsammlung überschaubar zu halten und die vorhandenen Tools in- und auswendig zu kennen und diese dann kreativer einzusetzen.

4-Spur-Recorder ohne monatliche Updates…

Denn im Grunde geht es beim Musikmachen um Kreativität und es ist nunmal belegt, dass weniger Krams diese eher fördert als hindert. Forscher der University of Illinois haben 2015 mehrere Tests durchgeführt, die den Einfluß von verschiedenen Resourcen auf die Kreativität untersuchten. Eine „Eingeschränkte Denkweise„, so die Forscher, setzt ein, wenn ein Proband eine Aufgabe mit relativ wenig Mitteln umsetzen sollte. Je stärker diese Denkweise auftrat, desto kreativer wurden diese spärlichen Mittel genutzt.

Das nächste Jahr wird etwas tiefer…

Der Weihnachtswahnsinn ist geschafft. Obwohl es in den letzten Wochen hier etwas ruhiger war, habe ich trotzdem so einiges an neuer Software ausprobiert. Ich muss aber zugeben, dass mich 80% der neuen Instrumente und Effekte eher gelangweilt haben. Viele neue polierte und grafisch aufwendige, aufgeblasene Produkte, die manche Dinge sicherlich leichter machen … aber nicht besser.

Aus diesem Grund habe ich über die Feiertage beschlossen mal wieder etwas zurück zu treten. Ich will mein persönliches Setup etwas herunterzufahren, mehr experimentieren, Dinge besser verstehen und wieder etwas mehr in die Tiefe gehen. Dazu passt hervorragend der großartige Artikel von vor zwei Jahren, der auf David Cain’s Blog zu finden ist.

Dort geht es um ein tiefes Jahr. Ein Jahr in dem keine neuen Dinge angefangen, keine Bücher gekauft, keine neuen Hobbies begonnen und kein weiteres Equipment angeschafft wird. Es geht darum, dass man wieder Nutzen in den Dingen sucht, die man bereits besitzt und die Dinge zu Ende bringt oder voran bringt, die man bereits angefangen hat.

Endlich besser an der Gitarre werden, anstatt mit dem Piano anzufangen, Die Bücher zu Ende lesen oder erneut durchzuarbeiten, die seit langem im Regal stehen und die Vinylsammlung wirklich mehr zu schätzen lernen, anstatt ständig neue Platten zu sammeln.

Genau wie David es in seinem Artikel ausdrückt, soll es darum gehen „tiefer zu gehen, anstatt breiter“. Man kehrt den neuen angepriesenen Dingen, denen man eventuell im Netz begegnet einfach mal den Rücken zu, ignoriert sämtliche Software Updates und beschäftigt sich mit der Vielzahl an Möglichkeiten, die man bereits um sich hat. Wenn man sich solch ein „tiefes“ Jahr einfach mal vorstellt … eine Handvoll Interessen, die eventuell gemeistert wurden, anstatt dutzende von halbherzig neu begonnenen Dingen, die nach kurzer Zeit liegen gelassen werden und abgelöst wurden. Man müsste wieder lernen ohne die kleinen Dopamin-Spritzen auszukommen, die man sich verabreicht, wenn etwas Neues ausprobiert oder gekauft wird.

Für mich persönlich bedeutet das konkret, dass ich wirklich wieder intensiver Gitarre spielen will, mich mit nur einer DAW beschäftigen und keine weiteren Plugins anschaffen will. Außerdem will ich mich endlich weiter mit der Programmierung von Effekten befassen und dazu tiefer in Csound eintauchen.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und beschränke mich mit Tropone nur noch auf eine DAW (plus Csound, VCV Rack und meine Gitarren-Amp-Emulation). Ich schränke mich also bewusst ein, damit ich genötigt bin mich mit den vorhandenen, einfacheren Mitteln intensiver zu beschäftigen. 2020 kann also kommen…

Akustische Gitarre recorden, mit normalem Mikrofon, Tonabnehmer oder Kontaktmikrofon?

Eigentlich habe ich gar keine Lust die einzelnen Recording-Techniken zu beschreiben. Diese findet man millionenfach im Netz. Bei dem Test ging es mir in erster Linie um den Sound einer Akustik-Gitarre, genauer gesagt den Sound einer Western-Gitarre.

Ich habe den Seymour Duncan Woody zur Auswahl – einem Tonabnehmer, den man ins Schallloch der Gitarre klemmt; ein günstiges Kontaktmikrofon von Harley Benton – welches man auf den Korpus der Gitarre klebt (vorher den besten Spot suchen); und ein normales Kondensatormikrofon auf einem Ständer – vor der Gitarre stehend, vorzugsweise in Höhe zwischen Hals und Schallloch … etwa.

Ok, der Pickup klang ganz ok, aber nicht nach akustischer Gitarre. Das Kontaktmikrofon klang grauenvoll, komplett ohne tiefe Frequenzen … muss ich nicht haben. Fazit: Die einzige Wahl beim Aufnehmen einer akustischen Gitarre ist das Mikrofon davor, eventuell noch ein zweites, sonst nix … fertig.

Begrenze die Anzahl Deiner Werkzeuge … immer!

Ich bin mir sicher, dass aus musikalischer Sicht die besten Werke meiner Recording Projekte vor ca. 15 Jahren entstanden sind. Damals hat man die vorhandenen Einschränkungen noch verteufelt … „Wenn ich ein paar bessere Mikrofone hätte, dann …„, „Mit der und der Recording Software, hätten wir viel mehr Möglichkeiten.“ oder „Mit ’nem richtig guten Röhrenverstärker würde die Gitarre viel geiler klingen…

Grenzen setzen … (Quelle: youtube.com)

Zeit ist ein weiterer Faktor … wenn ich für ein Projekt oder eine spezielle Aufgabe vier Wochen Zeit habe, dann werden die wichtigsten Entscheidungen und der größte Haufen Arbeit in den letzten Tagen getroffen bzw. erledigt. Es funktioniert nunmal unter Zeitdruck – innerhalb konkreter Grenzen – etwas besser, so geht es wohl den meisten Menschen.

Woher kommen diese Geräusche? – Alltagsgegenstände und Lärm aus der Umgebung für die eigene Musik nutzen

Found Sounds, Sound Objects und Field Recordings sind Schlagwörter in der elektronischen und experimentellen Musik, die bereits seit über hundert Jahren ein fester Bestandteil gewisser Genres sind. Musik aus alltäglichen Gegenständen, die wir in der Küche, auf dem Schreibtisch oder in der Garage finden und Musik mit Geräuschen aus der Natur, von der Baustelle oder aus der Industrie sind also nichts Neues. Aus diesem Grund will ich hier auch gar nicht wieder auf die Geschichte eingehen.

Zuhause finden sich unendlich viele Gegenstände, die es wert sind aufgenommen zu werden (Quelle: pexels.com)

Samples, Loops und Presets – Sollte ich wirklich vorgefertigte Sounds nutzen oder lieber alles selber kreieren?

Schreibtisch mit Laptop - Sound Design

Vor kurzem habe ich hier etwas zu dem neuen Sample-Loop-Synthesizer Arcade von Output geschrieben und ich war recht begeistert von den Möglichkeiten. Ein Kommentar zu dem Artikel hat mich dann mal wieder ganz kurz auf den Boden geholt und ich habe mir in den letzten Tagen etwas Gedanken dazu gemacht…

Es dürfte wohl schon 25 Jahre her sein, dass ich angefangen habe Musik Krach zu machen. Ja, ich bin alt. Mein Kumpel brachte damals eine elektrische Gitarre nebst Verstärker und Verzerrer von irgendwo her mit und wollte, dass ich lernte diese zu bedienen. Er selbst würde dann Schlagzeug spielen wollen (übrigens machen wir noch heute in dieser Konstellation zusammen Musik 😉 ) Ich fand die Idee toll und versuchte mich an den 6 Saiten.

Die nativen Effekte einer DAW für die Gitarre nutzen, am Beispiel von Ableton Live 10

Ich habe jetzt total viele Audio Effekte in meiner DAW, brauche ich überhaupt noch extra Gitarren-Effektpedale?“ – diese Frage habe ich schon des öfteren gehört. Viele sind immer erstmal verunsichert, ob sich die nativen Effekte ihrer Recording-Software überhaupt für die Gitarre eignen. Da wird dann gegoogelt, bei YouTube rumgesucht und in diversen Foren nachgefragt. Die beste Antwort ist aber immer: Ausprobieren. Nicht jeder Overdrive Effekt ist gleich programmiert und nicht jeder Effekt passt zu jeder Gitarre oder zu jedem Amp.

Jeder Gitarrist hat das ein oder andere Effektpedal … dies hier ist übrigens nicht meins 😉 (Quelle: gearcollector.com)

Ich persönlich greife auch oft mal zu echten Bodentretern, oder zu den Effekten aus Amplitube. Wenn man sich die Audio Effekte in der DAW aber mal genauer anschaut, dann sind diese in vieler Hinsicht aber viel flexibler als ihre Pendants, die speziell für die Gitarre entworfen wurden. Ein Beispiel wäre der Wah-Effekt. Das Cry-Baby Pedal beispielsweise hat einen fest vorgegebenen Frequenzbereich, an dem ich ohne elektronische Komponenten auszutauschen, nichts verstellen kann. Ein Filter-Plugin einer DAW ist da doch gleich VIEL flexibler 😉

Kann so’n Gitarrenkrams aus’n Computer überhaupt klingen, wie eine echte Rockgitarre?

In meiner kleinen Band mound habe ich recht früh angefangen, das typische Prozedere zum Einfangen des Gitarrensounds für eine Aufnahme zu vermeiden. Denn normalerweise baut man den Gitarren-Amp und die Cabinet seiner Wahl im Aufnahmeraum auf, positioniert wahlweise zwischen einem und drei geeignete Mikrofone vor dem Speaker und wenn man dann alles richtig macht, klingt die Gitarre dann später genau so, wie man sie im Raum gehört hat. Wenn…

kleiner feiner Röhren-Amp

Denn wenn man das vorher noch nie gemacht hat, stößt man auf so einige Hürden. Wie genau positioniert man denn die Mikrofone? Muss man bestimmte Mikros benutzen? Ist die Beschaffenheit bzw. Akustik des Raumes eventuell auch wichtig? Wenn ich die Drums zunächst mit einer Gitarrenspur zusammen einspielen will, wie bekomme ich es dann hin, dass man die Drums auf der Gitarrenspur nicht hört? An meinem Audio-Interface habe ich nur einen Mikrofon-Eingang, wo stöpsel‘ ich denn die anderen zwei Mikros ein?

Seite 1 von 2

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén