Vital Synth angetestet – Der neue Stern am Wavetable Synthesizer-Himmel wird den Platzhirschen den Rang ablaufen…

Matt Tytel, der schon für den hervorragenden Software-Synth Helm verantwortlich war, hat es wieder getan. Seit einigen Tagen veröffentlichen einige bekannte YouTube Gesichter Videos zum neuen Wavetable Synthesizer Vital, den Matt mit seinem Team entwickelt hat und der heute, am 24. November offiziell veröffentlicht wird.

Vital 1.o

Es gibt zwei Gründe, die diesen Termin so wichtig machen. Zum einen bringt dieser Synth seine Konkurrenten ganz schön zum Schwitzen und wird für jeden Sound Designer einTraum sein und zweitens ist er kostenlos verfügbar. Es gibt zwei weitere Versionen, die etwas kosten und einige Presets und Wavetables mehr an Bord haben, aber die Grundversion ist völlig kostenlos! Unglaublich.

Wavetable Synthesizer sind schon seit einigen Jahren der heiße Scheiß, zumindest in gewissen Musikgenres. Serum gibt es seit 2014, wenn ich mich nicht irre, Ableton hat seit der Version 10 einen solchen Synth dabei und Bitwig erst seit Neuestem.

Was sind Wavetables?

Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts hat Wolfgang Palm eine spezielle Art Audio Samples abzuspielen erfunden. Er nutzt hierfür einen digitalen Oszillator, der nicht über jeweils eine Wellenform verfügt, sondern über eine Tabelle von Wellenformen – eine Wavetable also.

Diese Tabelle lässt sich auf spezielle Weise „durchlaufen“ und somit kommen die charakteristischen Klangwechsel- und Morphing-Sounds zustande. Deswegen ist also schon mit nur einem Oszillator ein ausgeprägtes Klangspektrum verfügbar.

Die Klangerzeuger des Vital

Der Vital Synth verfügt über 4 Klangerzeuger: Drei Wavetable Oszillatoren und einem einfachen Sampler.

Einer von drei Wavetable Oszillatoren in Vital

Jeder dieser drei Oszillatoren ist gleich aufgebaut. Es gibt eine Pitch-Einstellung, in der ich die Tonhöhe in Halbtönen ändern kann. Außerdem gibt es eine Feineinstellung in Prozent. Zusätzlich habe ich die Möglichkeit die Tonhöhe festzulegen mit einer Art Quantizer. Hier kann ich einen oder mehrere Töne festlegen und wenn ich beispielsweise die Tonhöhe mit einem LFO moduliere, kann ich sichergehen, dass immer die richtigen Töne getroffen werden.

Dann verfügen die Oszillatoren natürlich über einen Level und Pan Regler und direkt darunter kann ich das Routing des Oszillators wählen. Entweder schicke ich den Sound durch die Filtersektion, oder direkt zu den Effekten oder aber ohne Umwege zum Ausgang.

In der Mitte kann ich die Wellenform des Oszillators sehen, bzw. die derzeitige Wellenform des Wavetables. Hier kann ich auch die Ansicht zischen 2D und 3D umschalten und rechts neben der Wellenform gibt es den Schieberegler zum „Durchlaufen“ des Wavetables. Oben besteht die Möglichkeit die Wavetable-Presets zu durchlaufen oder den Browser hierfür aufzurufen. Hier kann ich auch Ordner anlegen und eigene Wavetables sichern. Falls man schon eine Sammlung von Wavetables auf seiner Festplatte hat, kann man diese einfach per Drag’n’Drop einfügen.

Das kleine Stift-Symbol öffnet den Wavetable-Editor. Dieser Editor ist sehr mächtig und verdient einen eigenen Artikel, deswegen will ich hier gar nicht großartig darauf eingehen.

Der ausgeklügelte Wavetable Editor…

Wenn man einen Rechtsklick auf die Wellenform ausführt erscheint ein Menü in dem ganz unscheinbar der Eintrag „Text To Wavetable“ steht. Dieses Feature erstellt aus einem eingegebenen Text ein Wavetable, indem dieser Text gesprochen wird. Wie geil ist das denn, bitte?! Es besteht sogar die Möglichkeit, verschiedene Sprachen auszuwählen.

Vital nutzt hierzu einen Google Dienst, deshalb muss der Rechner, auf dem Vital läuft, hierzu im Internet sein. Bei der kostenlosen Version und der Plus Version kann man auch nur 5 mal am Tag auf diesen Service zugreifen … aber immerhin! Daumen hoch.

Des Weiteren verfügt der Oszillator natürlich über Unison Einstellungen und Phasenverschiebung. Darunter findet man noch zwei Regler, die Spectral Morphing und Wave Morphing ermöglichen. Jeder dieser Morphing-Regler verfügt noch über zusätzliche Parameter, die man darunter im Ausklappmenü auswählen muss. Hier kann ich beispielsweise auch einen der anderen Oszillatoren oder den Sampler auswählen, um Frequenzmodulation oder Ringmodulation anzuwenden.

Ich muss zugeben, dass ich nicht immer wirklich weiß, was hier passiert, aber man kann die Änderungen immer visuell anhand der Wellenform sehen. Wie bereits erwähnt kann man mit nur einem Oszillator und dessen Einstellmöglichkeiten schon haufenweise interessanter Sounds kreieren.

Der Sampler ist recht simpel und er verfügt nur über wenige Presets. Man kann aber seine eigenen Samples recht einfach importieren.

Wir haben hier die gleichen Tonhöhen-Einstellungen, Routing, Level & Pan und ansonsten gibt es hier die Möglichkeit Keytracking zu aktivieren und die Art wie das Sample abgespielt wird (Looping, PingPong, …) auszuwählen. Ganz einfacher Sampler halt.

Filter

Vital verfügt über zwei Filter – also im Grunde über vier, denn im Effekte-Tab gibt es noch einen weiteren Filter und einen EQ. Die beiden Hauptfilter finden wir direkt unter den vier Tonerzeugern:

Die beiden Filter…

Oben kann ich den Filter entweder aktivieren oder deaktivieren und eines der vielen Presets aussuchen. In der Mitte sehen wir das Bild des Filters und an den Seiten gibt es jeweils drei Schieberegler. Je nach Filterart übernehmen diese unterschiedliche Aufgaben. Bei einem normalen analogen Filter z.B. kann man mit dem oberen Schieberegler zwischen LowPass und HighPass Filter morphen. Der untere Regler stellt die Cutoff Frequenz ein und der rechte Schieberegler die Resonanz des Filters.

Unten links kann ich sehen, welcher Klangerzeuger sein Signal an den jeweiligen Filter schickt und daneben gibt es nochmal ein paar Einstellungen, die ebenfalls variieren, je nachdem welchen Filtertyp man ausgewählt hat.

Modulation

Vital ist ein Modulations-Paradies. Man kann hier alles modulieren, selbst die Modulatoren. Der Synth verfügt zunächst über drei Envelope Generatoren. Wenn diese allerdings „aufgebraucht“ sind, bekommt man jeweils einen Neuen. D.h. man hat bis zu sechs Envelopes zur Verfügung!

Es ist kinderleicht diese einem Parameter des Synthesizers zuzuweisen. Man zieht einfach das Fadenkreuz unter dem Namen der Hüllkurve (ENV1 … 6) auf den gewünschten Parameter und stellt dann nach Bedarf die Stärke der Modulation ein … fertig.

Neben den sechs Hüllkurven gibt es noch bis zu acht(!) LFOs. Der Editor ist ein Traum. Ich kann mir damit herrlich eigene LFO-Formen einzeichnen, dazu gibt es einige vorgegebene Formen und ein Pinselwerkzeug, dass einen beim Zeichnen unterstützt.

Die LFOs verfügen über verschiedene Modes. Ich könnte einen LFO z.B. auch als Hüllkurve nutzen. Daneben stelle ich die Frequenz ein. Diese kann man auch auf Sekunden umstellen und bis zu 0,0001sek runterdrehen. Das bedeutet die LFOs können auch im Audiobereich arbeiten und zur Frequenzmodulation eingesetzt werden.

Zusätzlich gibt es auch hier wieder einige Parameter zum Einstellen: Smooth, Delay und Stereo. Stereo ist besonders genial für’s Sound Design. Wenn dieser Parameter aktiviert wird, gibt es den jeweiligen LFO jeweils für den rechten und linken Kanal, leicht zeitlich variierend. Wenn dieser zur Modulation eingesetzt wird, lassen sich nette Effekte erzielen.

Natürlich gibt es auch noch Zufallsmodulatoren (Random) – vier an der Zahl. Hier hat man verschiedene Algorithmen zur Auswahl, um diverse Parameter des Synths zu humanisieren.

Einstellen kann man hier Sync und ebenfalls Stereo (wie schon bei den LFOs). Hinter Style findet man die vier unterschiedlichen Algorithmen und ansonsten kann man noch die Frequenz einstellen.

Selbstverständlich verfügt Vital auch noch über die Standardmodulatoren, wie Velocity, Pressure, Note, Slide etc…

Effekte

Kurz: Die Effekte klingen super und es gibt neun an der Zahl!

Das GUI der Effekte, wie auch das des ganzen Synths, ist fantastisch. Simpel, verständlich und einfach elegant. Es macht Spaß mit den Parametern zu spielen und man kann sich wirklich wünschen, dass Matt und sein Team diese noch als einzelne VST-Effekte veröffentlichen.

Es gibt einen Chorus, Compressor, Flanger, Delay, Distortion, EQ, Filter, Phaser und einen Reverb.

Ansonsten…

Ich will jetzt gar nicht auf alle Features des Vital Synths komplett eingehen. Dazu gibt es schon diverse Videos auf YouTube und eventuell mache ich das nochmal in einigen anderen Artikeln.

Der Synthesizer verfügt ansonsten noch über eine Modulationsmatrix, in der ich nochmal alle modulierten Parameter übersichtlich angeordnet sehe und diverse Einstellungen dazu ändern kann. Das ist ganz hervorragend, dann aufgrund der enormen Modulationsmöglichkeiten, kann das schon etwas unübersichtlich werden. Anhand dieser Matrix behält man den Überblick.

Das Advanced Tab verbirgt noch erweiterte Einstellungen der Oszillatoren, insbesondere zu den Unison Optionen. Den Wavetable Editor habe ich ja schon erwähnt.

Highlights

Welche Features machen Vital so gut? Ich bin kein typischer Nutzer von Wavetable Synthesizern. Ich glaube ich hatte niemals eine Demo von Serum installiert und den Wavetable Synthesizer von Ableton habe ich höchstens mal kurz angetestet. Aber Vital gefällt mir, man kann herrlich atmosphärische Pads damit basteln und auch ganz wunderbar Krach damit machen.

Es gibt einige Sachen, die Vital für mich ganz besonders machen. Zum ersten wäre da der Preis. Im Grunde kostet Vital nix. Man bekommt diesen großartig klingenden und featurereichen Klangerzeuger tatsächlich einfach so geschenkt. Ich habe vor ein paar Tagen die Plus-Version bei einer Early-Access Aktion für 20 Euro erworben und ich finde dieser lächerliche Preis ist das Mindeste, was man den Entwicklern zukommen lassen sollte.

Das zweite Highlight sind die Modulationsmöglichkeiten. Und das sage ich als Bitwig User, der normalerweise schon total verwöhnt ist, was Modulation angeht.

Ein weiteres Highlight in meinen Augen, ist das Quantisieren (Transpose Snap) der einzelnen Oszillatoren. So kann man mit den Zufallsmodulatoren, angewandt auf die Tonhöhe (eventuell dann auch noch im Stereo-Modus, der für mich ein weiteres Highlight von Vital ist), wunderbare Pads erzeugen, die dann auch noch stimmlich passen.

Natürlich gehört Text To Wavetable zu meinen Favorites!

Zu guter Letzt wären da dann noch die Effekte – simpel, einfach, gut klingend!

Fazit

Tja, was soll ich hier schreiben? Holt‘ euch das Teil!

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Einige der Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe und die ich schon so weiterempfehlen kann…

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Seit über einem Jahr spiele ich in einem Grindcore-Projekt namens UNDAWN

  1. markus maurer

    Im Gegensatz zu Spire, Massive und Serum klingt Vital fetter, moderner und viel inspirierender. Soundqualität, Stereoeinstellungen und die zusätzliche Möglichkeit, Vital als Sampleplayer zu nutzen etc. , machen diesen Softsynth gerade unschlagbar. Gerade auf der Suche nach Sounds für Jump Up DnB!!!🤘 endlich mal schnell amtlich klingende Sounds.

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