Presonus Studio One 4.6 – eine verlockende DAW…

DAW Hopping, ein Problem, dass ich selbst nach 20 Jahren noch nicht in den Griff bekommen habe … Studio One Version 1 habe ich 2010 das erste mal benutzt, davor hatte ich immer eine abgespeckte Version von Cubase auf dem Windows Rechner. Es gab damals die Studio One Artist Version zu dem Audio Interface vom gleichen Hersteller dazu. Noch im selben Monat habe ich die Pro Version erworben. Zwei Jahre später gab es dann das Update zu Version 2 und das 3er Update 2015 habe ich auch noch mitgenommen. Dann wurde mir das alles etwas zu langweilig.

Ich probierte ein wenig mit Reaper rum, dann Renoise, kurz Tracktion und im Frühjahr 2017 dann der Wechsel zu Bitwig Studio. Die Software hat mich wirklich gefesselt. Zwischendurch ein Flirt mit Ableton Live

Also, was bringt die neueste Version mit, die Studio One so unwiderstehlich macht?

Seit der Version 4 verfügt Studio One über einen Step Sequenzer. Man kann nun entscheiden, ob man seine Rhythmen (oder auch Melodien) lieber in der guten alten Piano Roll programmiert bzw. im Drum Editor, oder eben im neuen Step Sequenzer. Und dieser Sequenzer ist gut, er kann locker mit dem aus Geist mithalten und dann ist er auch noch in die DAW integriert … super.

Der Step Sequenzer … hier auch liebevoll Pattern Editor genannt…

Ich benutze ja seit Jahren gerne den Sequenzer in Fxpansion Geist. Der neue Pattern Editor in Studio One kann mit dem locker mithalten. Die Patterns verfügen über die gleichen Funktionen, wie die Sequenzen im Geist. Auch hier kann ich nun die Patternlänge jeder einzelnen Spur verändern. So sind dann z.B. auch abgefahrene Polyrhythmen möglich.

Auch die Automation der verschiedensten Parameter sieht ähnlich aus. Velocity, Wiederholungen, Verzögern (Delay) und Wahrscheinlichkeit werden standardmäßig in jeder Sequenz angezeigt. Zusätzlich kann ich jeden erdenklichen Parameter des genutzten Instruments einbinden. Genau, der Pattern Editor arbeitet nicht nur mit den Studio One – internen Instrumenten, sondern auch mit allen VSTs von Drittanbietern.

Des Weiteren verfügt Studio One über einen nativen Convolution Reverb: Open Air. Klar, es gibt auch brauchbare Freeware Convolution Reverbs und die Kollegen mit Algorithmen tun ihren Job auch nicht schlecht, aber ich mag nunmal Reverbs aus Impulse Responses und Studio One hat seinen eigenen Effekt aus dieser Kategorie an Bord.

Der Convolution Reverb ‚Open Air‘ in Studio One 4.6

Und mit Open Air kann man auch eigene Impulse Responses importieren. Diese WAV Dateien müssen nicht unbedingt Hall-Samples sein, man kann auch mit diversen anderen Samples tolle Effekte erzielen.

Studio One hat sogar einen IR Maker in seiner Effektsammlung. Hiermit könnte ich auch einen externen Hardware Reverb „aufzeichnen“ und daraus eine Impulse Response Datei für Open Air machen.

Mir persönlich gefällt das GUI der Effekte und Instrumente sehr gut. Ich mag „realistische“ Oberflächen. Also solche, die wie ihre Kollegen aus der reallife Hardwareabteilung aussehen. Auch wenn wir uns natürlich im virtuellen Softwarebereich bewegen und die Effekte und Instrumente bei DAWs wie bspw. Ableton Live oder Bitwig genauso gut klingen, komme ich eigentlich mit Interfaces, die echte Hardware nachbilden, besser klar.

Des Editieren von Noten oder Midi-Editing ist in Studio One viel ausgereifter als in vielen anderen DAWs die ich bisher genutzt habe. Zunächst sieht der Editor etwas überladen aus, aber wenn man sich mal damit beschäftigt hat, bietet er Tools, die mich wirklich effektiver arbeiten lassen.

Ich kann links eine Skala wählen und mir wird in der Piano Roll angezeigt, welche Töne dazu passen. Die Werkzeugleiste ist wirklich hilfreich, insbesondere die Makros. Sowas habe ich schon in Reaper benutzt, man kann sich mehrere Arbeitsschritte zu einem Makro zusammenfassen und dann in der Makroleiste anzeigen lassen oder auch ein Shortcut dafür auswählen. Das ist ein mächtiges Werkzeug.

Auch das Bearbeiten der einzelnen Noten wird durch haufenweise Tools erleichtert.

Studio One wird im Allgemeinen eher zu den „linearen“ DAWs hinzugezählt. Was immer das auch heißen mag. Ich persönlich finde nicht, dass man mit ihnen weniger kreativ arbeiten kann als in DAWs wie Bitwig, Live oder Renoise. Es gibt hier keinen Clip-Launcher, aber mithilfe des Scratch Pads kann ich auch hier einzelne Ideen skizzieren und dank des Arranger Tracks später auch problemlos in das Arrangement einfügen.

Ein großer Pluspunkt für Bitwig sind natürlich die Modulatoren. Diese gibt es in Studio One nicht, aber jedes Instrument verfügt über eine gewisse Anzahl an LFOs und Envelopes und ansonsten kann ich das alles auch mithilfe der Automation erledigen. Gestern habe ich mal probiert Studio One über virtuelle Midi Treiber mit VCV Rack zu verbinden und es ist tatsächlich möglich jeden erdenklichen Parameter in Studio One mit den endlosen Modulationsmöglichkeiten von VCV Rack anzusteuern. Das muss man zwar erstmal einrichten, aber es ist möglich. Ich denke ich werde in den nächsten Tagen dazu noch einen Beitrag schreiben.

Mal abgesehen von den ganzen abgefahrenen Sound Design Tools von Bitwig bietet Studio One dafür allerdings so essentielle Aufnahmetechniken, wie das Comping. Daran habe ich mich damals erst in Reaper so richtig gewöhnt und in Bitwig und Ableton habe ich es dann vermisst. Da ich viele Gitarrenparts einspiele und auch manchmal Vocals aufnehme, vermisse ich das immer noch.

Dank Comping kann ich mir die besten Takes einer Aufnahme raussuchen

Die Automation in Studio One gefällt mir auch wirklich gut. Sobald ich einen Parameter in einem Instrument oder Effekt „angefasst“ habe, wird dieser oben links im DAW Fenster angezeigt. Daneben ist dann ein kleines A zu sehen und eine Hand. Mit einem Klick auf das A kann ich sofort eine neue Automationsspur in den derzeitigen Track einfügen und meine Automation bearbeiten. Die Hand kann ich beispielsweise auf einen Regler meines Midi-Controllers ziehen (mithilfe des virtuellen Fensters des Controllers). Aber das geht auch noch viel einfacher…

Diese Parameter-Anzeige von links oben kann man sich auch in den Fenstern der Instrumente bzw. Effekte anzeigen lassen. Wenn ich dort nun einen Controller ausgewählt habe, kann ich in diesem Fenster direkt einen Parameter auf einen Regler oder Fader des Controllers zuweisen. Wirklich elegant gelöst.

Diese ganzen Sachen funktioniert ähnlich natürlich auch in allen anderen DAWs. Die neuen Sampler gefallen mir wirklich gut, auch wenn sie Renoise Redux nicht ablösen würden. Ich mag auch den Rompler Presence XT, die Auswahl und der Klang der Instrumente kommt wirklich an die Factory Bibliothek von Kontakt heran und gehört direkt zur DAW. Für einen Aufpreis kann man Presence XT sogar als vollwertigen Multisampler einsetzen.

Der eben erwähnte Arrangertrack gefällt mir auch super und macht das Arrangieren definitiv einfacher. Mit dem Chord Track habe ich mich noch nicht so wirklich beschäftigt, aber falls man nicht allzu sicher in der Musiktheorie unterwegs ist, hilft dieser sicherlich beim Komponieren. Wie mittlerweile viele andere DAWs auch beinhaltet Studio One eine kleine Version von Melodyne. Die aber ausreicht, um Vocals in ihrer Tonhöhe anzupassen und auch um Harmonien für Background-Vocals zu erstellen.

Studio One ist gerade mal etwas über 10 Jahre jung und hat vielen professionellen DAWs schon den Rang abgelaufen. Ich kenne viele, die von den alten Platzhirschen wie Cubase oder Pro Tools zu Studio One gewechselt haben. Gerade weil Studio One neben den Standardfeatures einer DAW auch kreative Tools wie z.B. den Step-Sequenzer oder den Impact XT mitbringen, wird diese DAW auch immer beliebter bei jüngeren Einsteigern in den Bereich.

Ich habe hier ja schon des öfteren geschrieben, dass es völlig egal ist, womit man seine Songs recorded. Mittlerweile sind alle DAWs von reinen Aufnahmetools zu völlig überfrachteten Studio-Helfern geworden und man hat die Qual der Wahl. Es ist vielleicht auch nicht die beste Entscheidung zu einer neuen Workstation zu wechseln, wenn man sich bereits an eine andere Arbeitsweise gewöhnt hat … es kann aber trotzdem auch inspirierend und motivierend sein, eine etwas andere Arbeitsweise einfach mal auszuprobieren.

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Tracktion Waveform wird demnächst auch umsonst erhältlich sein

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  1. Jonny

    Hallo,
    sehr interessanter Beitrag. Ich überlege auch seit einiger Presonus zu testen, habe sonst immer zwischen Logic und Cubase gependelt. In letzter Zeit nur Logic wegen Umzug und Nutzung des Laptops.
    Was ich verzweifelt suche ist ein Drumsequencer, bei dem man die Matrix bzw. das Raster verändern kann.
    Beim Geist2 zB, der richtig gut ist, habe ich immer nur ein 4er Raster. Man kann zwar die Steps anpassen und auch 3/4 etc, einstellen. Aber wenn man sich in den 3er Rythmen bewegt, wie zB Simon Phillips, dann geht das große Umrechnen los und der kreative Fluß ist dahin.
    Vielleicht hast Du eine Idee dafür und möglicherweise klappt das mit Presonus 4.6.

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