September 2011 – Das ist schon über acht Jahre her. In Softwarejahren ist das ein Jahrhundert. Kein Mensch hat noch Software von vor einem knappen Jahrzehnt auf seinem Rechner. Naja, manche vielleicht schon. Ich auch.

Im September vor acht Jahren hat FXpansion die Software Drum Machine Geist herausgebracht, ein virtueller Trommler den man mit Samples füttern muss. Eine Drum Machine, die keine Updates mehr bekommt … OMG! und die eigentlich auch eine Nachfolgerin besitzt – Geist 2, aber der will ich hier keinen Platz gewähren. Geist 1 wird leider nicht mehr gepflegt und kann über FXpansion auch nicht mehr bezogen werden.

Aber im Grunde ist Geist schon etwas mehr als eine schlichte Drum Machine. Es ist ein Sampler mit einem leistungsstarken Sequenzer – ähnlich wie Renoise – allerdings ist die Programmierung des Sequenzers etwas intuitiver … ich hoffe jetzt fühlt sich kein Tracker-Fanboy auf den Schlips getreten. Man muss aber gestehen, das Renoise schon mächtiger ist (VST-Unterstützung, Modulation, Automation, Samplemanipulation,…)

Ich habe mir eine Kopie von Geist im Jahre 2016 über ebay gekauft und gleich danach kam Geist 2 heraus. Ich habe meine Entscheidung nie bereut. Geist ist nunmal etwas angenehmer zu programmieren als die gute alte Piano Roll und auch die Automation geht etwas schneller von der Hand.

Geist kann entweder als Standalone gestartet werden oder man zieht die VST-Version in die DAW seiner Wahl. Geist verfügt über 8 Engines, die alle über ein eigenes Drumkit verfügen können, jede Engine hat die typischen 16 Drumpads und 24 Patterns zum Programmieren. Jedes Pad verfügt über 8 Ebenen, d.h. man kann auch akustische Drums oder Percussion-Instrumente mit mehreren Velocity-Layern bauen. Oder die Ebenen zum Sound Design nutzen. Round-Robin und Random-Triggering der einzelnen Layer ginge auch.

Es gibt einen Songmode, der aussieht wie die Tracks einer DAW. D.h. man könnte auch komplette Songs nur in Geist zusammenbauen. Der Scene-Mode eignet sich für den Live-Einsatz, denn man kann Snapshots seiner Engines in Szenen speichern und dann per Midi-Controller triggern.

Geist kommt mit einer Factory Library daher, die alle möglichen Genres mit Grundlagen-Futter versorgt. Ich persönlich greife aber lieber auf meine eigene Sammlung zurück. Nicht dass die Samples schlecht wären, ganz im Gegenteil … ist halt Geschmacksache. Wie bereits erwähnt, ist Geist komplett samplebasiert. Es gibt keine Synthesis-Engine.

Der Editor für jede Ebene (jedes Sample) eines Pads

Jede einzelne der 8 Ebenen eines Pads verfügt über Gain, Pan, Tune, Finetune, Vel-Pitch und Pre-Delay (Samplestart) Einstellungen. Außerdem kann man auf maximal vier Send-Kanäle zugreifen und es gibt einen Filter, ein Timestretch Modul und zwei zuweisbare Envelopes. Das alles pro Sample, das ist schon nice. Es gibt aber keine Modulationsmatrix oder LFOs, aber man kann maximal 32 Host-Parameter zuweisen…

links ist die Übersicht der zugewiesenen Host-Parameter

Diese Parameter könnte man dann in der DAW automatisieren oder mit diversen Modulatoren … ähh modulieren – hallo Bitwig! 😉

Geist verfügt über zahlreiche wirklich gute Effekte. Und hier gibt es vier verschiedene Mixer, um diese einzusetzen. Zum einen gibt es einen Layermixer, d.h. pro Pad kann man die einzelnen Layer mixen und ihnen unabhängig voneinander Effekte zuweisen, dann gibt es den Padmixer, in dem die 16 Pads abgemischt und mit Effekten versehen werden können. Außerdem haben wir einen Enginemixer für jede der acht Engines und zu guter letzt den globalen Mixer, wo man die Sendtracks – oder hier Aux Buss genannt – belegen kann. Die Effekte sind zahlreich – insgesamt 30 verschiedene Effekttypen. Da bleibt kein Wunsch offen, allein die Filter sind superb.

Der Layermixer…

Das Herzstück von Geist ist allerdings der Sequenzer. Die Hits werden per Stift eingetragen und die mit einem Mausdrag kann man gleich die Anschlagstärke verändern. Natürlich kann man seine Drums auch mit einem Controller einspielen. Es mag zwar den Anschein haben, dass man nur robotisch perfekte Schläge einzeichnen kann, dem ist aber nicht so. Jede Reihe, also jedes Pad, verfügt im Sequenzer über einen Automationstrack und dort gibt es neben zahlreichen anderen Parametern den Shift-Wert. Mithilfe dieses Parameters kann man die einzelnen Hits links und rechts zeitlich etwas verschieben. Sehr gut! So kann man auch groovige Patterns per Hand einzeichnen. Ebenso wird eine live eingespielte Aufnahme dementsprechend naturgetreu aufgezeichnet.

Der Sequenzer mit Automation…

Patterns können auch einzeln gesichert und geladen werden. Außerdem kann man sie als Midi-Dateien exportieren oder andere Midi-Files laden. Sehr gut! D.h. man könnte sich seine Drum- oder Percussionparts hier zusammen basteln und die Midi-Dateien später in der DAW arrangieren. Oder man benutzt den eingebauten Songeditor. Ich weiß allerdings nicht, inwieweit die eingestellten Automationen in der Midi-Datei transportiert werden. Müsste ich bei Gelegenheit mal testen. Die gängigsten Sachen sollten funktionieren: Velocity, Shift und Repeat. Pitch oder Effekte werden da wohl eher problematischer.

Und ja, der Sampler in Geist kann tatsächlich samplen. Man muss nur das Audiosignal eines Tracks in Geist routen und schon kann aufgezeichnet und gesliced werden, bis der Arzt kommt. Man kann auch mithilfe eines Tresholds automatisch aufzeichnen, so wird das Samplen von Drumhits oder Percussion-Instrumenten etwas einfacher und effizienter.

Unterm Strich bietet Geist alles, was das Herz begehrt. Ja, die Oberfläche läßt sich nicht skalieren, es gibt keine Updates mehr und viele mögen das Aussehen nicht. Ich mag es genau so wie es ist und finde überhaupt nicht, das Geist alt aussieht. Geist 2 ist dagegen ein Albtraum. Warum schreibe ich das hier alles, wenn man die Software doch gar nicht mehr kaufen kann? Ich wollte nur mal erwähnen, dass alte Programme nicht schlecht sein müssen und vieles vor knapp 10 Jahren auch besser gemacht wurde als gegenwärtig 😉 … so long.